Die Chancen der Digitalisierung sind der Mehrheit mittelständischer Unternehmen in Deutschland bewusst. Oberste Priorität hat die digitale Transformation damit aber noch nicht: Viele KMU schrecken vor den Herausforderungen und Risiken zurück, die diese Entwicklung mit sich bringt. Dass es auch mittelständischen Unternehmen mit einer nachhaltigen Digitalisierungsstrategie gelingen kann, die digitale Transformation erfolgreich anzustoßen und zu realisieren, zeigt die BEULCO GmbH & Co. KG: Das Attendorner Unternehmen hat die Basis für eine Produktion der Zukunft gelegt und gemeinsam mit Digital in NRW seine intralogistischen Prozesse digitalisiert.

BEULCO 2025: DIGITALISIERUNG IM FOKUS

 
Den Weg Richtung Digitalisierung beschritt der Anbieter von Komponenten, Systemen und Lösungen für die Wasserversorgung allerdings schon zuvor: Vor drei Jahren hat das Familienunternehmen die Digitalisierung fest in seiner Strategie BEULCO 2025 verankert. „Uns war bewusst, wie weitreichend diese Entwicklung ist und dass sie tiefgreifende Veränderungen mit sich bringt “, erklärt Geschäftsführer Jürgen Christian Schütz. „Darauf mussten wir reagieren, um unser Unternehmen zukunftsfähig aufzustellen.“
 
Drei Monate lang dauerte die Arbeit an der Strategie. Jürgen Christian Schütz lernte die „Digitalisierungswelt“ und ihre Potenziale kennen, ist auf Messen und Kongressen unterwegs und baute auf zahlreichen Fachveranstaltungen ein Netzwerk auf. Der Bundesverband Mittelständische Wirtschaft stellte schließlich den Kontakt zu Digital in NRW her. „Das Kompetenzzentrum ist schnell ein wichtiger Ansprechpartner und Begleiter für uns geworden“, blickt Jürgen Christian Schütz zurück. Auf die ersten Gespräche folgen ein Unternehmensbesuch, eine Potenzialanalyse und der Gestaltungsworkshop.
 

INTRALOGISTISCHE PROZESSE TRANSPARENT GESTALTEN


Die Digital in NRW Servicebausteine waren wichtige Schritte auf dem Weg zum erfolgreichen Umsetzungsprojekt. Gemeinsam mit BEULCO erarbeiteten und entwickelten die Digitalisierungsexperten individuelle Maßnahmen, um die Ver- und Entsorgungsprozesse in Produktion und Montage zu optimieren und intralogistische Prozesse transparenter zu gestalten. „Wir haben ein Konzept für den Einsatz fahrerloser Transportfahrzeuge entwickelt, die Ausschreibung und Anbieterauswahl vorbereitet sowie eine kamerabasierte Behälterfüllgradmessung etabliert,“ erzählt Phil Hermanski, Mitarbeiter am Fraunhofer IML und Projektleiter des Umsetzungsprojekts.
 

NEUES BEHÄLTERKONZEPT


Das neue Behälterkonzept ist eine Antwort auf die steigende Variantenvielfalt und zunehmend geringe Losgrößen. Welche der 3.000 von BEULCO produzierten Artikel befinden sich im Behälter? Wie groß ist die Stückzahl? Wie hoch ist die Transportkiste gefüllt? Genaue Angaben ermöglicht ein 3D-Sensor, der sowohl den Füllstand als auch das Oberflächenabbild des Schüttguts erfasst und an das zentrale System zur Füllstandserkennung weiterleitet. „Diese Erfassung der Bestandsdaten ermöglicht ein genaues Logistik-Monitoring sowie eine optimale Lagerplanung und -auslastung“, so Produktionsleiter Lutz Schopen Zudem ist jeder Ladungsträger zusätzlich mit einem Barcode ausgestattet, um bereits im Lager bedarfsgerecht für die Montageabteilungen und den Versand kommissionieren zu können.
 

EINHEITLICHE LOGISTIKSTRUKTUR


Diese Kennzeichnung ist zudem eine wichtige Voraussetzung für den reibungslosen Einsatz des Fahrerlosen Transportsystems, das die Artikel sowie die in der Produktion anfallenden Metallspäne zukünftig vom Lager in die Abteilungen und zurück bewegen soll. Hierzu wurden eine neue Logistikstruktur entwickelt und einheitliche Eingangs- und Auslagerungsplätze – so genannte Bahnhöfe – in allen Abteilungen eingerichtet. Um ein auf den Bedarf des Unternehmens ausgerichtetes System integrieren zu können, musste zudem der gesamte Materialfluss detailliert analysiert, ein umfangreiches Lastenheft geführt und eine Anbieterauswahl zusammengestellt werden. Das Konzept steht, alle Voraussetzungen sind erfüllt. Implementiert werden konnte das fahrerlose Transportsystem aufgrund der hohen Lieferzeiten der FTS-Anbieter bisher allerdings noch nicht.
 

OPTIMIERTE FERTIGUNGSORIENTIERUNG


Die Vorteile der Digitalisierungsmaßnahmen sind aber bereits jetzt zu spüren und zu sehen: „Durch die neue Ordnung und Transparenz wird die Produktion visuell aufgewertet, was wiederum eine verbesserte Produkt- und Fertigungsorientierung erzeugt“, so Jürgen Christian Schütz. Durch die Umstrukturierung der Intra-Logistik konnte die Anzahl der Transporte sowie der Kommissionieraufträge deutlich erhöht werden.
 
Mit dem Einsatz des FTS sollen zudem die termingerechte Materialbereitstellung sichergestellt, Wartezeiten vermieden, Durchlaufzeiten verringert sowie die Produktivität erhöht werden. „Außerdem entlastet der Einsatz des fahrerlosen Transportsystems unsere Logistik-Mitarbeiter und schafft neue Kapazitäten“, erklärt Jürgen Christian Schütz, der von der Zusammenarbeit mit Digital in NRW überzeugt ist: „Die Kooperation mit dem Kompetenzzentrum ist eine gute Symbiose mit viel Potenzial, das wir auch in Zukunft gemeinsam weiter ausbauen möchten.“
 

ZUSAMMENARBEIT MIT ZUKUNFT


Ein erster Schritt hierzu ist bereits getan. Weitere gemeinsame Digitalisierungsprojekte sind in Planung und BEULCO arbeitet gezielt weiter an der Entwicklung neuer Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle im Bereich der Digitalisierung – seit März 2019 auch im Digital.Hub Logistics Dortmund am Fraunhofer IML. Jürgen Christian Schütz: „Wir sind sicher, dass sich auch in diesem Rahmen viele Möglichkeiten der Zusammenarbeit ergeben werden.“