Digitalisierung als Dienstleistung

PIEL Die Technische Großhandlung setzt auf schlanke Prozesse

„Der Kunde bekommt die Ware, obwohl er noch gar nicht weiß, dass er sie braucht.“ Fragt man Mario Ernst, wie PIEL Die Technische Großhandlung in fünf Jahren aufgestellt sein sollte, hat er ganz konkrete Vorstellungen. „Noch ist das ein Traum und wir stehen am Anfang dieser Entwicklung“, fügt der Geschäftsführende Gesellschafter des Soester Unternehmens hinzu. „Aber das ist unser Ziel.“ Ein Ziel, dass der Familienbetrieb auch gemeinsam mit Digital in NRW verfolgt. Das Kompetenzzentrum hat PIEL mit seiner Expertise und verschiedenen Servicebausteinen unterstützt.

Den Anfang machte – ganz klassisch – ein Unternehmensbesuch in Soest. „Wir haben uns mit einem Team vor Ort einen ersten Eindruck verschafft“, blickt Dr.-Ing. Matthias Parlings von Digital in NRW auf den Beginn der Zusammenarbeit zurück. Im Anschluss daran wurden Arbeitsabläufe und Prozesse analysiert und Digitalisierungsmaßnahmen entwickelt. „Wir haben 680.000 Artikel in unserem Sortiment“, erklärt Mario Ernst. „Diese Produkte verknüpfen wir mit individuellen Dienstleistungen und bieten unseren Kunden so einen Mehrwert. Um das zu erreichen, benötigen wir schlanke Prozesse.“

Das Projektteam der Firma PIEL Die Tech­ni­sche Groß­hand­lung

Zukunftsweisendes Transferprojekt

Unterstützt von dem Kompetenzzentrum für den Mittelstand entwickelt PIEL ein neues Geschäftsmodell, das auf der Digitalisierung der Prozesse im Technischen Handel basiert, zum Beispiel im Rahmen der Ersatzteilversorgung. „Digitalisierung als Dienstleistung“ ist das Stichwort - und auch ein Ziel eines Transferprojekts mit Digital in NRW. In seinem Rahmen setzt PIEL gemeinsam mit dem Warsteiner Unternehmen Infineon Technologies Bipolar einen ersten Piloten um, der ein intelligentes Versorgungskonzept entwickeln und etablieren soll. Die von Digital in NRW geförderten Projektabschnitte, wie die Prozessgestaltung, die Bewertung von verschiedenen Technologien der Digitalisierung sowie eine Business Case Bewertung, konnten bereits in einem Workshop mit allen Beteiligten erfolgreich abgeschlossen werden.

Mehr als ein Jahr gemeinsame Arbeit steckt bereits in dem Transferprojekt. Gemeinsam wurden Anforderungen definiert, Handlungsfelder identifiziert, Technologien ausgewählt und ein Business Case aufgestellt. Mit dem intelligenten Versorgungskonzept für die Ersatzteillager des Warsteiner Technologieunternehmens sollen administrative Arbeiten der Maintenance reduziert und die Ressourcen gezielt für die Kernaufgabe Instandhaltung gebündelt werden. Zukünftig wird ein digitaler Bestellprozess für die Ersatzteilversorgung von Infineon etabliert und über PIEL als externen Dienstleister abgewickelt. Damit erweitert das Soester Unternehmen zugleich sein Geschäftsfeld und schafft die Voraussetzungen für eine effektive Neukundenansprache und -gewinnung. "Zukunftsweisend“ nennt Mario Ernst das Projekt, von dem „alle Seiten profitieren und voneinander lernen.“

„Wir stehen nicht still“

Auch darüber hinaus setzt PIEL auf die Digitalisierung. „Wir stehen nicht still“, sagt Mario Ernst mit einem Lächeln. Aktuell plant das Unternehmen eine weitere Kooperation mit Infineon Technologies Bipolar, um gemeinsam „RFID-Lösungen auf den Weg zu bringen und zu etablieren.“ Auch mit dem Fraunhofer IML, Konsortialpartner von Digital in NRW, arbeitet PIEL weiter zusammen: Gemeinsam soll ein Projekt zur Nutzung der Blockchain-Technologie für den Informationsaustausch und die Abwicklung von Transaktionen im technischen Handel umgesetzt werden. „Hier haben wir – unterstützt von Digital in NRW – eine Förderung im Programm Industrie 4.0 für KMU gewonnen“, so Ernst, der ein durchweg positives Fazit zur bisherigen Zusammenarbeit zieht: „Es war eine sehr angenehme Kooperation, eine sehr methodenkompetente Arbeit. Praxis und wissenschaftliche Sichtweise wurden zielführend miteinander verbunden und auch die Vernetzung von Initiativen stand immer im Fokus. Das hat uns gut gefallen.“

Kurzinterview

Mario Ernst, Geschäftsführender Gesellschafter bei PIEL, im Kurzinterview:

Mario Ernst

Welche Rolle spielt die Digitalisierung aktuell in Ihrem Betrieb?

Ernst: „Eine sehr große Rolle. Wir sind ein sehr prozessaffines Unternehmen. Unser Ziel ist es, unsere eigenen Prozesse und möglichst auch die unserer Kunden schlanker zu gestalten. Und das funktioniert natürlich auch über die Digitalisierung von Abläufen. Allerdings macht die Digitalisierung um ihrer selbst willen meiner Meinung nach keinen Sinn.“

Das heißt, nicht jeder sollte auf die Digitalisierung setzen?

Ernst: „Ich würde niemanden pauschal raten, zu digitalisieren. Eine individuelle Betrachtung des Unternehmens ist wichtig. Jeder sollte sich selber Gedanken dazu machen, was notwendig ist, um sein Geschäft auch in zehn Jahren noch zukunftsfähig zu halten. Es ist wichtig, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Wenn man quasi Scheuklappen trägt, kann das nur schiefgehen.“

Warum haben Sie sich für eine Zusammenarbeit mit Digital in NRW entschieden?

Ernst: „Durch diese Zusammenarbeit konnten wir ein wichtiges, zukunftsweisendes Projekt mit Leben füllen. Und wir bekamen die Chance, Digitalisierung und Neukundengewinnung miteinander zu verbinden. Zudem wussten wir aus anderen Projekten, dass wir sehr gut mit dem Fraunhofer IML zusammenarbeiten. Das hat sich auch bei diesem Projekt wieder bestätigt.

Diese Website verwendet Cookies. Indem Sie weiter navigieren, stimmen Sie der Nutzung zu. Erfahren Sie mehr ... Akzeptieren