Wie lassen sich auch wenig anpassungsfähige Industrien digitalisieren?

Die Schwerindustriebranche gilt allgemein als wenig anpassungsfähig, vor allem da der eigentliche Produktionsprozess weniger Potenzial zur Veränderung bietet, als es vielleicht in anderen Branchen möglich ist. Doch auch die Schwerindustriebranche, als eine der Traditionsbranchen in Deutschland schlechthin, öffnet sich immer mehr der Digitalisierung und den Veränderungen durch Industrie 4.0. Vernetzte Produktionseinheiten oder voll digitalisierte Bestellprozesse bieten auch in Bereichen wie der Stahlindustrie enormes Potenzial. Durch die fortschreitende Globalisierung konkurrieren auch mittelständische Unternehmen in Deutschland mit Konkurrenten aus China, die eventuell auch noch subventioniert werden. Wer jetzt nicht die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzt, um nachhaltig zu wachsen und durch Investitionen langfristig Kosten zu senken, droht zukünftig den Anschluss zu verlieren.

Auch Branchen wie die Schwerindustrie müssen sich verändern

Auch in der Schwerindustrie droht der Abstand zwischen Unternehmen, die die notwendigen Schritte zur Digitalisierung nicht gehen wollen oder können und Unternehmen, die Veränderungen angehen, immer größer zu werden. Schon jetzt finden sich im Netz beispielsweise Stahl Online Shops, in denen Kunden Stahlprodukte so einfach wie andere Konsumgüter kaufen können. Dies setzt jedoch eine Digitalisierung der gesamten Lieferkette voraus.

Auch wenn gerade die Schwerindustrie viel Tradition hat, so müssen Unternehmen dennoch immer kurzfristiger auf Kundenwünsche reagieren können. Schnelle Transportwege und möglichst minimale Lagerkosten zwingen Unternehmen dazu, für Kunden, sozusagen als verlängerte Werkbank zu fungieren. Das funktioniert nur, wenn zwischen Auftragseingang und Abwicklung möglichst wenig Zeit liegt. Außerdem werden neben Anwendungen wie Bohren und Fräsen immer neue Anforderungen relevant, die oft nur mit Instrumenten aus dem Industriebereich 4.0 effektiv umsetzbar sind. Immer öfter wird es notwendig, Daten und Systeme in Echtzeit auszuwerten, Produktionsmittel miteinander zu vernetzen und Informationen dezentral zugänglich zu machen. Der moderne Stahlhandel wird immer mehr zum aktiven und flexiblen Teil der Wertschöpfungskette und ist längst mehr als einfacher Zulieferer.

Digitalisierung in der Schwerindustrie: Veränderungswille und die richtigen Partner

Wichtig ist, dass bei allen Beteiligten ein hohes Maß an Veränderungswillen vorhanden ist, da durch Digitalisierungsprojekte auch neue Herausforderungen entstehen. Eine vollständige Digitalisierung ist in den meisten Fällen kaum möglich, da eine Komplettumstellung auch längere Produktionsausfälle bedeuten würde und somit wirtschaftlich problematisch wäre. Wie Lösungen aussehen können, dabei können Partner, wie Digital in NRW unterstützend tätig sein.

Veränderung ist kein Selbstzweck: Individuelle Lösungen zählen

Aktuell findet die Erfassung von Daten überwiegend schriftlich statt oder wird nur lokal in der Maschine gespeichert und gesteuert. Hier setzen Digitalisierungsmöglichkeiten in der Schwerindustrie an. Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Sie soll das Unternehmen und seine Mitarbeiter sinnvoll unterstützen. Eingespielte Prozesse müssen jedoch nicht einfach aus Prinzip verändert werden. Die Prozesse jedes Unternehmens müssen individuell analysiert werden, damit ein perfekt zugeschnittenes Digitalisierungs-Konzept erstellt werden kann. Die Technologien müssen sich an die Anforderungen des Unternehmens richten. Ob beispielsweise Barcode und RFID einen Lieferschein ersetzen oder ob dieser erhalten bleibt, aber um die Technologie der Texterkennung ergänzt wird, ist individuell zu entscheiden. Gerade in der Schwerindustrie herrschen oft andere Gepflogenheiten. So sind auch Lösungen möglich, bei denen die Ware klassisch per Foto und Stift gekennzeichnet wird und dennoch Daten einheitlich und digital per App für alle verfügbar gemacht werden.

Das Beispiel: Die SAZ-STAHL

Digital in NRW stehen Unternehmen der Schwerindustrie und auch ähnlichen Branchen unterstützend zur Seite und klären im ersten Schritt überhaupt über die Möglichkeiten der Digitalisierung auf. Hier liegt das Hauptproblem bei vielen Unternehmen: Die Verantwortlichen haben keine oder wenig Erfahrung mit den Möglichkeiten der Industrie 4.0.

Genau hier setzt Digital in NRW an. Am Beispiel der SAZ-STAHL kann eine mögliche Digitalisierung, wie etwa im Bereich des Wareneingangs, der Kundenschnittstelle oder der Angebotsbearbeitung, beobachtet werden.

Die Zusammenarbeit begann mit einer Unternehmenssprechstunde, auf die ein Besuch der Experten im Unternehmen folgte und die Basis für den Potenzialanalyse-Workshop legte. Das Ergebnis: Die Digitalisierung startete mit einer digitalen Kundenschnittstelle mit eigenem Webportal und Produktkonfigurator. Zusätzlich wurde der Vertrieb mit Tablets ausgestattet, wodurch telefonische Kundenanfragen sofort in das zentrale System eingespeist werden können.
Eine Erfahrung der SAZ-STAHL war, dass die Digitalisierung nicht nur Chefsache bleiben darf. Schon früh sollten Mitarbeiter in Schlüsselpositionen einbezogen werden, damit Erfahrungen und Wissen direkt aus der Praxis in die Planungen mit einfließen können. Das zahlt sich aus, da so das maximale Know-how des Unternehmens in das Digitalisierungskonzept integriert wird. Genau dieser Ansatz ist für jedes Unternehmen, auch außerhalb der Schwerindustrie, relevant.

Im Digi­ta­li­sie­rungs-FAQ werden weitere Fragen zur Imple­men­tie­rung von Digi­ta­li­sie­rungs­pro­jekten beantwortet.