„Eine Digitalisierungsstrategie muss sich von alten Denkweisen lösen.“

BEULCO-Geschäftsführer Jürgen Christian Schütz im Interview

Foto: BEULCO GmbH & Co. KG

1. Welchen Stellenwert hat die Digitalisierung in Ihrem Unternehmen?
Die Digitalisierung hat für uns einen sehr hohen Stellenwert. Sie ist wichtiger Bestandteil und Zentrum unserer Unternehmensstrategie BEULCO 2025, die wir bereits vor drei Jahren entwickelt haben. In der Sanitärbranche, die noch sehr konservativ aufgestellt ist, gehörten wir mit zu den ersten, die verstanden haben, welche Veränderungen mit der Digitalisierung auf uns zukommen. Aber zu Beginn standen auch wir vor vielen Fragen. Ich bin in ganz Europa unterwegs gewesen und habe mich auf - branchenfremden - Messen und Digitalisierungsveranstaltungen informiert.

Was bedeutet die Digitalisierung für uns? Welche Potenziale gibt es? Welche Impulse kann ich mitnehmen? Da haben wir uns Schritt für Schritt durchgearbeitet. Aber das war absolut notwendig. Denn in der heutigen Zeit ist es unabdingbar, eine langfristige Digitalisierungsstrategie zu entwickeln, um sein Unternehmen wettbewerbsfähig zu halten und auf die Zukunft vorzubereiten. Und eine solche Strategie muss sich von alten Denkweisen und Prozessen lösen. Dazu müssen Unternehmen bereit sein. Sie sollten mit Gewohnheiten und bewährten Prozessen brechen. Das haben wir bei BEULCO getan.

2. Welche Chancen und welche Herausforderungen sehen Sie in der Digitalisierung?
Ich sehe eindeutig mehr Chancen als Risiken. Die Digitalisierung ermöglicht uns eine neue Ausrichtung, die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und Produkte. Ursprünglich waren wir ausschließlich ein Fitting-Hersteller für die Sanitärindustrie. Aktuell entwickeln wir uns mit Produkten und Dienstleistungen wie dem iQ water system vom Komponentenhersteller zum System- und Serviceanbieter. Natürlich ist das immer auch eine Herausforderung. Das Risiko des Scheiterns besteht. Aber der Markt scheint offen für diese Dienstleistungen zu sein. Und wir haben das ehrgeizige Ziel in diesem Bereich Technologieführer zu werden.

3. Neben dem Risiko zu scheitern: Welche Herausforderungen bringt die digitale Transformation Ihrer Einschätzung nach noch mit sich?
Die eigentliche Herausforderung liegt nicht in der „Hardware“. Einen Roboter in der Produktion einzusetzen, ist nicht mehr allzu kompliziert. Die Umsetzung wird hier immer einfacher und zunehmend kostengünstiger. Aber wir müssen die Menschen mitnehmen. Das ist das zentrale Thema. Die Digitalisierung ändert unser Arbeitsleben grundlegend. Wir müssen neue Aufgaben und Funktionen erlernen und übernehmen. Das erfordert ein neues Arbeitsverständnis. Darauf muss man die Belegschaft frühzeitig vorbereiten. Wir müssen mit den Mitarbeitern gemeinsam die Veränderung lernen und leben.

4. Wie möchten Sie dieses Ziel bei BEULCO erreichen?
Wenn wir von Transformation sprechen, steht für mich auf der einen Seite die Digitalisierung. Auf der anderen Seite eine agile Unternehmensorganisation. Beides bedingt sich, ist eng miteinander verknüpft. Darum möchten wir in Zukunft unter anderem crossfunktionale, also abteilungsübergreifende und selbstorganisierte Arbeit anbieten. Wir werden mit agilen Strategien und Methoden arbeiten, ohne bewährte Prozesse aus den Augen zu verlieren. Einen ersten Schritt haben wir mit unserem ersten Open Space Congress gewagt. Dieses neue Führungsformat war Neuland – für uns und die gesamte Belegschaft. Gemeinsam wurden Ansätze agilen Arbeitens kennengelernt. Zudem hatte jeder Einzelne die Möglichkeit, eigene Themen, Ideen und Fragen einzubringen. Das hat sehr gut funktioniert, das Feedback war sehr positiv. Diesen Weg möchten wir weitergehen, um die digitale Transformation gemeinsam mit unserer Belegschaft erfolgreich zu gestalten.

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