Digitalisierung zum Anfassen

Kompetenzzentrum bietet Workshops und Lab-Touren für kleine und mittlere Unternehmen (KMU)

Die Digitalisierung von Produkten und Prozessen? Das ist teuer, kompliziert und langwierig. Diesen Eindruck haben zumindest viele kleine und mittlere Unternehmen (KMU) – und hören mit Digitalisierungsmaßnahmen auf, bevor sie richtig angefangen haben. Dabei muss der Weg zur Industrie 4.0 nicht in einer Sackgasse enden. Im Gegenteil: Die Digitalisierung schafft neue Erfolgs- und Geschäftsmodelle. Wie diese erreicht und umgesetzt werden können, zeigt „Digital in NRW - Das Kompetenzzentrum für den Mittelstand“. Es bietet Industrie 4.0 zum Anfassen und unterstützt KMU mit praxisnahmen Workshops und Labtouren

„Wir möchten Unternehmen etwaige Vorbehalte nehmen. Denn Digitalisierungsmaßnahmen können bereits im Kleinen beginnen und einfach umgesetzt werden“, erklärt Jan Hicking, Projektmanager Informationsmanagement am FIR. Er leitet den Workshop „Cyberphysische Systeme in der Produktionspraxis“, den „Digital in NRW“ in enger Zusammenarbeit mit dem FIR e. V. an der RWTH Aachen anbietet. „Unser Ziel ist es zu zeigen, wie Unternehmen Produkte und Prozesse schnell und ohne Programmierkenntnisse mit dem Internet of Things (IoT) verknüpfen können“, so Jan Hicking.

Workshops: Digitalisierung erfahrbar machen

Was kompliziert klingt, ist leicht umgesetzt: In zwei Stunden und drei Schritten lernen die Teilnehmer, wie relevante Daten von Maschinen und Produkten generiert, ausgewertet und genutzt werden. Dabei ist die klassische Dampfmaschine ein wichtiges Utensil. An ihr wird im Kleinen erfahrbar, was die Unternehmen im Großen umsetzen können. Welche Daten möchte ich nutzen? Wie filtere ich die Rohdaten? Und welche Informationen kann ich aus ihnen ableiten? Gemeinsam werden Temperatur- oder Beschleunigungsdaten über Sensoren erfasst und über eine eigens entwickelte Plattform ausgewertet – per Drag and Drop. Programmierungskenntnisse sind nicht erforderlich. „Der Workshop gibt den Teilnehmern Hilfsmittel und Erfahrungswerte an die Hand, die sie auf Produkte und Prozesse in ihrem Unternehmen übertragen können“, weiß Jan Hicking. Mit Erfolg, Die Resonanz auf den Workshop ist durchweg positiv. „Natürlich ist der Workshop keine finale Lösung“, betont der Projektmanager. „Aber die Teilnehmer erkennen, dass man in kurzer Zeit mit einfachen Mitteln etwas erreichen kann.“

Smart und sicher: Pilotprojekt Evakuierungsstuhl

Wie das in der Praxis aussehen kann, hat kürzlich erst ein Pilotprojekt von Digital in NRW und dem Aachener Unternehmen Ph Mechanik GmbH&Co KG gezeigt: Ein Evakuierungsstuhl, der in Notsituationen für den Personentransport über Treppen zur Rettung nicht gehfähiger Leute eingesetzt wird, wurde mit verschiedenen Sensoren ausgestattet, die Höhendifferenzen, Wegstrecken und die Häufigkeit der Verwendung messen können. Die Sensoren wiederum sind mit einer Plattform verknüpft, die an der RWTH Aachen entwickelt wurde und die genaue Auswertung der gesammelten Daten ermöglicht. „So können wir genau nachvollziehen, wann und wie der Stuhl eingesetzt worden ist und bekommen einen umfassenden Überblick über das Nutzungsverhalten“, erklärt Jan Hicking. „Diese Erfahrungswerte können in Zukunft zum Beispiel für ein zusätzliches Dienstleistungsangebot genutzt werden.“

Lab-Touren: Industrie 4.0 zum Ausprobieren

Was in Sachen Digitalisierung und Industrie 4.0 darüber hinaus bereits erreicht und in Zukunft noch möglich ist, darüber geben die Lab-Touren von Digital in NRW an den Standorten im Rheinland, OstWestfalenLippe und der Metropole Ruhr einen hilfreichen und zugleich eindrucksvollen Überblick. In der Demofabrik Aachen, dem Smart Automation Lab, dem openID-center Dortmund und der SmartFactory OWL stellen Führungen die zukunftsrelevanten Technologien anschaulich in ihrer praktischen Anwendung vor. Mit Praxisbeispielen aus Forschung und Industrie werden innovative Technologien erlebbar und Industrie 4.0 greifbar. „Auf diese Weise können sich Unternehmensvertreter einen Überblick über den aktuellen Stand der Forschung verschaffen und bereits bestehende Technologien kennenlernen, die sich gegebenenfalls auf das eigene Unternehmen übertragen lassen“, erklärt Robin Exner, Geschäftsstellenleiter des Kompetenzzentrums im Rheinland. Ob Datenerfassung durch Sensorik, intelligente Datenanalyse, zukunftsfähige Leittechnik, Mensch-Maschine-Interaktion oder Cloudtechnologien: Die verschiedenen Aspekte von Industrie 4.0 und die daraus resultierenden Geschäftsmodelle werden thematisiert und diskutiert. „In der Demonstrationsfabrik Aachen liegt der Fokus dabei auf Technologien der Montage und der Logistik. Im Smart Automation Lab zeigen wir zukunftsweisende Leittechnik und MES-Lösungen“, erläutert Exner die Schwerpunkte der Lab-Touren am „Digital in NRW“-Standort Rheinland. Einen allgemeingültigen Königsweg gibt es für die Themen Digitalisierung und Vernetzung dabei nicht. „Aber es gibt eine Vielzahl von Digitalisierungslösungen“, so Exner. „Und an diesen können sich kleine und mittlere Unternehmen orientieren, um ihren eigenen Weg zur Industrie 4.0 zu finden.“

Jetzt sind Sie an der Reihe

Digital in NRW bietet kontinuierlich Workshops und Lab-Touren an. Wer mehr über „Cyberphysische Termine“ in der Produktionspraxis erfahren möchte, hat dazu am 20. Juni 2018 auf dem Campus Cluster Smart Logistik auf dem RWTH Aachen Campus dazu Gelegenheit. Hier können Sie sich verbindlich anmelden.

Die nächste Lab-Tour am Standort Rheinland findet 12. Juli 2018 im Werkzeugmaschinenlabor (WZL) der RWTH Aachen statt. Weitere Infos gibt es hier.

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