Digitale Plattformen für das eigene Geschäftsmodell nutzen: Fachgruppe Industrie 4.0 trifft sich bei Weidmüller

Plattformen wie Amazon oder Uber kennt jeder. Sie richten sich hauptsächlich an Endkunden. Welche Chancen bieten digitale Plattformen für Unternehmen aber im B2B-Bereich? Die Fragen diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Fachgruppe Industrie 4.0 am 14. November bei Weidmüller. Spannende Praxisbeispiele machten das Thema greifbar.

Die Einsatzmöglichkeiten digitaler Plattformen sind vielfältig. Unternehmen winken neue innovative Geschäftsmodelle und Potenziale für die Zukunft. So könnten Betriebe freie Maschinenkapazitäten für andere Unternehmen anbieten, die dann keinen eigenen Maschinenpark betreiben müssen. Oder sie könnten wertvolle Produktionsdaten anonymisiert an Start-ups weitergeben, die mit Hilfe großer Datenmengen neue Technologie entwickeln.

Doch scheinen vor allem kleine und mittlere Unternehmen digitalen Plattformen eher zögernd gegenüberzustehen. Dr.-Ing. Arno Kühn (Digital in NRW-Geschäftsstellenleiter OWL und Abteilungsleiter am Fraunhofer IEM) nennt dafür drei Gründe: Erstens seien viele Betriebe technisch noch nicht soweit, um sich einer Plattform anzuschließen, es fehle beispielsweise an ausreichender Anbindung der Maschinen in der Produktionshalle. Zweitens gebe es oft Vorbehalte, die Betriebe in puncto Plattformen zögern lassen: Viele fürchteten eine zu hohe Transparenz oder den Verlust von Know-how. Und drittens fehle es vielen Betrieben an Orientierung. „Die Fachgruppe Industrie 4.0 will deshalb auch kleinen Betrieben Mut machen, sich mit dem Thema Plattformen zu beschäftigen“, so Kühn, „wir zeigen dazu erfolgreiche Beispiele aus der Praxis und geben Raum für Erfahrungsaustausch. Denn Sorgen etwa im Bereich Sicherheit sind oft unbegründet, wenn man sich für die richtige Plattform und eine kluge Strategie entscheidet.“  

Schlüssel zu mehr Effizienz und Kostenkontrolle

Christian Becker (Manager Strategy & Innovation Team bei Microsoft) stellte etwa vor, wie produzierende Unternehmen vermehrt auf Industrial-Internet-of-Things-Plattformen zurückgreifen, um eine adäquate Infrastruktur für neue digitale Geschäftsmodelle aufzubauen.

Einblicke in die Industrie gab Tobias Gaukstern (Vice President Industrial Analytics bei Weidmüller). Gaukstern betonte, dass die optimale Nutzung und Auswertung von Maschinen- und Prozessdaten der Schlüssel zu mehr Effizienz und Kostenkontrolle über den gesamten Lebenszyklus sei. Er stellte vor, wie Weidmüller den Zustand von Maschinen analysiert, mit den Möglichkeiten des Machine Learnings Anomalien erkennt und daraus Klassifizierungen, Predictice Mainentance, Predictive Quality-Themen oder die Realisierung neuer Geschäftsmodelle ableitet.

„Das Thema Plattformen ist sehr wichtig für unsere zukünftige Ausrichtung im Bereich IIoT. Deshalb beteiligen wir uns an den bereits am Markt verfügbaren offenen IoT-Plattformen und ertüchtigen unsere Hardware für die Anbindung“, so Gaukstern. Weidmüller hat bereits verschiedene Anwendungen und Use-Cases entwickelt wie die Anbindung von Maschinen und Anlagen an die Cloud, Energie-Monitoring als Service, eine IoT-Service-Plattform zur Entwicklung von Geschäftsmodellen oder vorausschauende Instandhaltung.

Spannende Einblicke aus Forschung und Praxis gaben Tobias Gaukstern (Weidmüller), Christian Becker (Microsoft) und Dr. Arno Kühn (Fraunhofer IEM). Foto: Digital in NRW

Die richtige Plattformstrategie wählen

Mit dem Thema Orientierung beschäftigt sich aktuell das Projekt Digital Business im Technologie-Netzwerk it’s OWL. Die Projektpartner aus Forschung und Industrie stellen Fragen wie: Welche Marktleistungen sind für ein Plattformgeschäft geeignet? Existieren bereits Plattformen, denen Unternehmen beitreten sollten? Wie müssen sie sich aufstellen, um in der Plattformökonomie Erfolg zu haben? Bei der Fachgruppe Industrie 4.0 stellten Wissenschaftler des Fraunhofer IEM ein Plattformradar des Projektes vor, das Orientierung und Strukturierung auf dem großen Markt von Plattform-Anbietern schafft.

In einem Kurzworkshop diskutieren die Teilnehmer der Fachgruppe Industrie 4.0 die Ergebnisse des Plattformradars. Foto: Digital in NRW

Förderschwerpunkt „Mittelstand-Digital“ des BMWi

„Digital in NRW – Kompetenz für den Mittelstand“ ist Teil des Förderschwerpunkts „Mittelstand-Digital“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi). Das Kompetenzzentrum bündelt die Expertise von Forschungseinrichtungen aus den Regionen Rheinland, Metropole Ruhr und OstWestfalenLippe.

Der BMWi-Förderschwerpunkt „Mittelstand-Digital“ informiert kleine und mittlere Unternehmen über die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung. Regionale Kompetenzzentren helfen vor Ort dem kleinen Einzelhändler genauso wie dem größeren Produktionsbetrieb mit Expertenwissen, Demonstrationszentren, Netzwerken zum Erfahrungsaustausch und praktischen Beispielen. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie ermöglicht die kostenlose Nutzung aller Angebote von Mittelstand-Digital. Weitere Informationen finden Sie unter www.mittelstand-digital.de

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